Der Euthanasie-Erlass Hitlers

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Der Euthanasie-Erlass Hitlers

Am 1. September 1939 ermächtigte Hitler bestimmte Ärzte dazu, behinderte Menschen und unheilbar Kranke zu ermorden. Dieser Erlass kostete Hunderttausenden von unschuldigen Menschen das Leben.

Was bedeutet Euthanasie?

Ursprünglich stammt dieser Begriff aus dem Griechischen. "Eu" heißt gut, schön, "thánatos" bedeutet Tod - zusammengesetzt also "der schöne Tod". Im 18. Jahrhundert wurde dieses Fremdwort in Deutschland gebräuchlich. Es bezog sich auf eine Erleichterung des Sterbens, eine beabsichtigte Herbeiführung des Todes bei unheilbar Kranken. (siehe Duden Das Herkunftswörterbuch). Gemeint war also auch die Erleichterung des Todeskampfes, vor allem durch Medikamente, um unheilbar Kranke oder Schwerstverletzte von unerträglichem Leid zu erlösen.

Den Begriff "Euthanasie" findet man bereits in der griechisch-römischen Antike. Allerdings bezeichnete er damals einen guten, schmerzlosen, schnellen Tod, der ohne jegliches Einwirken - zum Beispiel eines Arztes oder einer anderen Person - eintritt. Aktuell wurde der Begriff wieder um das Jahr 1605, als der englische Philosoph und Staatsmann Francis Bacon es als Aufgabe eines Arztes ansah, die Schmerzen eines Sterbenden zu lindern.

Was bedeutet Sozialdarwinismus?

Der englische Naturwissenschaftler Charles Darwin ist der Begründer der modernen Evolutionstheorie, also der Abstammungslehre. Darwin vertrat die Meinung, dass es unter den Tieren und in der Natur eine natürliche Auslese gibt. Seiner Meinung nach überlebten nur die Lebewesen und Arten, die sich den gegebenen Umständen und Veränderungen der Umwelt anpassten. So entstand eine Auswahl an Tieren, die überlebten und eine Art weiterführten. Nur die Stärksten bzw. die am besten Angepassten kamen durch.

Diese so genannte Selektionstheorie wurde von einigen Wissenschaftlern auch auf Gesellschaftsmodelle und das Zusammenleben von Menschen übertragen. Es entstand der so genannte Sozialdarwinismus.

Diese irreführende Übertragung hatte furchtbare Folgen, denn sie wurde von den Nationalsozialisten in verheerender Form missbraucht. Sie sahen im Sozialdarwinismus eine Rechtfertigung dafür, Menschen, die nicht in ihr Regime, ihre Vorstellung der idealen Rasse passten, die schwach oder gebrechlich waren, zu töten.

Hitler vertrat die Ansicht, dass man "schwaches Leben" ausrotten müsse, damit der Staat bestehen bleibe.



Euthanasiebefehl

Am 1.September 1939 gab Hitler eine geheime Anordnung, im Oktober 1939 schließlich gab er den "Euthanasiebefehl", der es Medizinern erlaubte, sogenanntes "lebensunwertes Leben" auszurotten. Er missbrauchte den Begriff der Euthanasie damit und benutzte ihn sozusagen als Tarnbezeichnung. Sein Ziel war es, die von ihm erwünschte arische Rasse zu "züchten". Schwache und kranke Menschen, so propagierte er, kosten den Staat nur Geld und machen ihn angreifbar. Als "lebensunwert" wurden in diesem menschverachtenden Befehl vor allem missgebildete Kinder und an Geistes- und Erbkrankheiten oder Syphilis leidende Erwachsene angesehen. Dabei fielen ihm vor allem auch Menschen zum Opfer, die nicht der arischen Rasse angehörten, so auch Juden oder SInti und Roma. Diese Menschen wurden von Hitler als für die Gesellschaft schädlich abgestempelt.

Das NS-Regime leitete aus der ursprünglichen Bedeutung des Wortes "Euthanasie" vom "guten" oder "schönen Tod" die Pflicht des Staates ab, sich der von den Nationalsozialisten als "Defektmenschen" und "Ballast" bezeichneten Menschen mit Behinderung zu entledigen.


Es wurden extra Ärzte bestimmt, die für diese Auswahl der Opfer zuständig waren. Bis zum 23. August 1941 starben so bis zu 100 000 Menschen. Obwohl alles streng geheim gehalten wurde und extra harmlose Namen für die Taten und Tötungseinrichtungen gesucht worden waren, regten sich immer stärkere Proteste gegen diese Mordaktion.

Widerstand der Kirche

Besonders die Kirche - allen voran Bischof Clemens August Graf von Galen - prangerte das NS-Regime immer wieder an. Mit seiner Predigt vom 3. August 1941 schaffte es der Bischof, dass die unmenschlichen Aktionen für kurze Zeit eingestellt wurden. Doch im Geheimen ging das Morden bis kurz vor Kriegsende weiter. Zwischen 1941 und 1945 wurden nochmals bis zu 30 000 Menschen aufgrund des Euthanasiebefehls ermordet.

Prozess gegen Ärzte

Nach Ende des Krieges wurden zahlreiche Ärzte und einige Mitglieder des Pflegepersonals dieser Einrichtungen vor Gericht gestellt und verurteilt. Im Ärzte-Prozess von Nürnberg (1947) ging die Anklage insgesamt von 275 000 Getöteten aus.

Mehr zu diesem Thema findet ihr auf den Seiten des Deutschen Historischen Museums Berlin und unter www.shoa.de/euthanasie.html.

-ab-01.09.04; Bilder: Darwin: Wikipedia, Dave souza (pd); Plakat: Bundesarchiv (cc); Gebäude in Pirna: Wikipedia, dawei (GNU, cc), von Galen: "Diese Datei entstammt der Bildersammlung des Bistumsarchivs Münster, Urheber ist Gustav Albers." (cc)

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