Der Amoklauf von Erfurt

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Der Amoklauf von Erfurt

Fassungslosigkeit herrscht in Deutschland nach der schrecklichen Tat im Erfurter Gutenberg-Gymnasium. Am Freitag, den 26. 4. 2002 hatte der 19-jährige Robert Steinhäuser 16 Menschen und sich selbst erschossen.

Ein Albtraum war es nicht nur für die Schüler und Lehrer in Erfurt. Keiner konnte nachvollziehen, was da im Gutenberg-Gymnasium geschehen war. Die Fernsehbilder und Zeitungsberichte erinnerten an Geschehnisse in den USA und an Actionthriller aus Hollywood. Für Deutschland galt so eine Tat bisher als unvorstellbar.

Was in den Vereinigten Staaten wegen der lockeren Waffengesetze möglich ist, durfte in einem reglementierten Land wie Deutschland einfach nicht passieren. Die Schule ein Ort des Lernens und Nachdenkens - als Schauplatz wahnsinniger Gewalt, das ist ein neuer Gedanke, der künftig präsent sein wird bei Schülern, bei Lehrern, bei Eltern.

Am Wochenende nach der Tat waren die Erfurter Geschehnisse Gesprächsstoff nicht nur in Deutschland. Viele Schüler gingen am Montag danach mit einem mulmigen Gefühl im Magen in die Schule. Die Lehrer waren darauf vorbereitet, sprachen mit den Schülern darüber oder hielten Gedenkveranstaltungen ab. Um 11.05 Uhr wurden bundesweit Schweigeminuten abgehalten.

Tausende Schüler zogen in Erfurt in Trauer um die Opfer mit Blumen in den Händen durch die Innenstadt. Im Erfurter Dom wurden Kerzen angezündet. Auch in anderen Erfurter Kirchen trafen sich Menschen zu Andachten.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft forderte einen «Tag der Besinnung», um das Thema Gewalt und deren Ursachen in den Schulen zu erörtern.

Nach den Terroranschlägen am 11. September 2001 haben wir Herrn Dr. Professor Castell, Leiter der Kinder- und Jugendpsychiatrie der Uniklinik in Erlangen gefragt, wie wir in unseren Familien mit dieser spürbaren, aber nicht fassbaren Angst umgehen können. Sein wichtigster Vorschlag gilt auch in diesem Fall:

Gemeinsam solltet ihr darüber sprechen, was ihr gesehen, gelesen und gehört habt. Und ihr solltet darüber reden, was ihr nicht verstanden oder wovor ihr Angst habt. Lasst euch von euren Eltern und auch von euren Lehrern erklären, warum vielleicht auch sie Angst haben. Denn nur wenn ihr mit euren Ängsten umgeht, könnt ihr auch dagegen angehen.

In unserem Forum könnt ihr euch über dieses Thema aussprechen.

Text/Bild: RR 29. 4. 2002

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