14 Tote beim "Blutigen Sonntag" vor 30 Jahren

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14 Tote beim "Blutigen Sonntag" vor 30 Jahren

Vor 30 Jahren erreichte der Konflikt zwischen Protestanten und Katholiken in Nordirland einen ersten traurigen Höhepunkt. 14 Menschen kamen damals ums Leben, als Soldaten aus nicht geklärten Gründen das Feuer auf die Teilnehmer eines verbotenen Bürgermarsches eröffneten. Schon zum zweiten Mal in einer Woche hatten die Bewohner der Stadt Derry demonstriert. Sie fühlten sich als Katholiken in dem zum Vereinigten Königreich gehörenden Nordirland sozial und wirtschaftlich benachteiligt. Der 30. Januar ging als Blutiger Sonntag in die Geschichte ein.

Bis heute haben die Menschen in Nordirland diesen Tag nicht vergessen. Die irische Popgruppe U2 hat darüber sogar ein Lied geschrieben: Den kämpferischen Song Bloody Sunday, in dem der Traum von einem friedlichen Irland besungen wird. Doch ein Ende der Auseinandersetzungen ist trotz der jüngsten Bemühungen durch Englands Premierminister Tony Blair noch nicht eingetreten. Erst kürzlich beschwerten sich beispielsweise die Bewohner eines katholischen Viertels, dass der Schulweg protestantischer Kinder an ihren Häusern vorbei führt.

Traurige Bilanz

Nach Angaben der britischen Regierung hat der blutige Konflikt in Nordirland allein in den letzten drei Jahrzehnten mehr als 3.600 Menschen das Leben gekostet. Weitere 40.000 wurden verletzt. Sie fielen entweder Bombenanschlägen und Feuerüberfällen zum Opfer oder wurden bei Demonstrationen und Straßengefechten verwundet. Zu den Übergriffen kam es vor allem in Nordirland. Aber auch im Rest von Großbritannien und in anderen europäischen Ländern wütete der Terror.

Wurzel des Konflikts

Um den Nordirlandkonflikt zu verstehen, muss man mindestens 500 Jahre in der Geschichte zurückgehen. Schon damals bestanden Religionsunterschiede zwischen den beiden Ländern: Irland gehörte seit dem 12. Jahrhundert dem katholischen Glauben an, England etablierte im 16. Jahrhundert mit der anglikanischen Staatskirche eine eigene, dem Protestantismus nahe stehende Religion. Als sich Anfang des 17. Jahrhunderts die ersten englischen Einwanderer in Irland niederließen, stießen Welten aufeinander. Die streng protestantischen Siedler, die im Norden des Landes bald eine Mehrheit bildeten, verachteten die katholischen Iren und ihre Religion. Die Bewohner der grünen Insel hassten wiederum die Eindringlinge aus Britannien, von denen sie nach und nach unterworfen wurden.

Terror durch die IRA

Seit Irland 1801 dem Vereinigten Königreich England unterstellt wurde, tobt der Freiheitskampf auf der Insel. Besonders verbissen und brutal kämpft die 1919 gegründete Gruppe IRA (= Irish Republican Army) für die Vereinigung Irlands und die Vertreibung der Briten. Das größte Feindbild der terroristischen Vereinigung, die sich einst als Parlamentsbewegung verstand, ist die britische Armee. Kein Wunder also, dass der Terror nach dem Eingreifen der Soldaten am Bloody Sunday mit besonderer Härte vorangetrieben wurde. Vor allem in den 70er und 80er Jahren versetzte die IRA die Welt mit Anschlägen in Angst und Schrecken. Das letzte große Attentat mit 28 Todesopfern gelang den Terroristen 1998 in Omagh.

Politische Annäherung

Die terroristischen Handlungen der IRA sind natürlich nicht mit der Meinung der Bevölkerung gleichzusetzen. Die meisten Menschen in Nordirland wollen endlich Frieden. Auch die Politiker von England und Irland haben sich seit 1998 wieder verstärkt angenähert. Doch dieses Engagement kann die Vergangenheit nicht ungeschehen machen. So wartet Nordirland noch heute vergeblich darauf, dass sich England für den Bloody Sunday entschuldigt.

Soldaten nie bestraft

Auch die verantwortlichen Soldaten wurden für ihre Tat nie zur Rechenschaft gezogen. Ein von England eingesetztes Sondergericht sprach sie wenige Monate nach dem Einsatz von allen Vorwürfen frei. Die Angeklagten hatten versichert, in Notwehr gehandelt zu haben. Erst nachdem sie von IRA-Heckenschützen beschossen worden waren, hätten sie selbst das Feuer eröffnet. Für diese Behauptung fehlen aber bis heute die Beweise. Zumindest bei den Todesopfern fand man keinerlei Waffen.

Ermittlungen laufen auf Hochtouren

Die ungeklärten Ereignisse um den Bloody Sunday stellen für die Katholiken in Nordirland und vor allem für die Angehörigen der Opfer nach wie vor ein Trauma dar. Deshalb will man den Fall jetzt endgültig aufklären und damit zu einer möglichen Versöhnung der beiden verfeindeten Religionsgruppen beitragen. In einem zweijährigen Ermittlungsverfahren sollen alle dunklen Schatten der Vergangenheit endgültig beseitigt und die Wahrheit ans Licht gebracht werden.

Der Nordirlandkonflikt im Netz

Weitere ausführliche Infos zum Nordirlandkonflikt samt der Erläuterung sämtlicher Fachbegriffe (Stichwort "Glossar") findet ihr hier. 

Nic 30. Januar 02

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