14 Punkte für den Frieden

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14 Punkte für den Frieden

Endlich Frieden in Europa. Das war das Ziel des amerikanischen Präsidenten Thomas Woodrow Wilson, der dem amerikanischen Kongress am 8. Januar 1918 sein 14-Punkte-Programm vorstellte. Zu einem Zeitpunkt, als der Erste Weltkrieg noch in vollem Gange war machte er sich Gedanken über eine friedliche Neuordnung Europas und die Gründung des Völkerbundes.

Wer war Woodrow Wilson?


Mit vollem Namen hieß er Thomas Woodrow Wilson (siehe Foto links), wobei die beiden letzten seine Nachnamen waren. Er lebte von 1856 bis 1924 und war der 28. Präsident der USA. Seine Amtszeit dauerte von 1913 bis 1921. Unter seiner Führung traten die Vereinigten Staaten von Amerika 1917 in den Ersten Weltkrieg ein.


Selbst für damalige Verhältnisse war Wilson ein außergewöhnlich kompromissloser Rassist. Er führte die Rassentrennung in vielen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens ein, in denen es sie vorher nicht gegeben hatte.

 

 

Rassentrennung bedeutet, dass Afro-Amerikaner als Menschen zweiter Klasse betrachtet wurden, denen viele Rechte versagt blieben. Sie durften z. B. nicht die gleichen Schulen besuchen wie Weiße und hatten kein Wahlrecht.

Foto rechts: In vielen Bereichen des öffentlichen Lebens waren weiße und schwarze Amerikaner voneinander getrennt. Hier: Warteraum für Farbige.


Aus heutiger Sicht würde man nicht erwarten, dass ein Politiker mit derart menschenfeindlichen Ansichten den Friedensnobelpreis erhalten würde. Doch Wilson bekam diese Ehrung im Jahr 1919 zugesprochen.


Mit dem Friedensnobelpreis wurde Wilsons Einsatz für den Weltfrieden gewürdigt. Der Präsident hatte nämlich bereits am 8. Januar 1918, als der Erste Weltkrieg noch in vollem Gange war, ein Konzept vorgelegt, mit dem der Frieden zwischen den europäischen Völkern dauerhaft wieder hergestellt werden sollte.

Im Nachhinein betrachtet könnte man sagen: diese Ehrung wurde etwas vorschnell verliehen. Von den friedensfördernden Gedanken Wilsons blieb letztlich nämlich nicht viel übrig. Im Gegenteil. Doch lest selbst: 


Das 14-Punkte-Programm


Das Programm war gut: es sah eine weitgehende Selbstbestimmung und wirtschaftliche Unabhängigkeit der Völker vor. Um dies zu verwirklichen sollten auch Staaten wie Polen das neu geschaffen werden musste und Serbien einen eigenen Zugang zum Meer erhalten. Besonders wichtig war ihm, dass jede Nationalität sich selbstständig entwickeln sollte und nicht von anderen beherrscht würde.


Zu diesem Ziel sollte auch eine weitgehende Abrüstung aller Staaten sowie die uneingeschränkte Schifffahrt auf allen Meeren führen. Außerdem sollten Friedensverträge in Zukunft öffentlich geschlossen und auf geheime Diplomatie verzichtet werden.


Schließlich setzte er sich für die Gründung eines Verbands der Nationen ein, der durch gegenseitige Bürgschaften die politische Unabhängigkeit und die Unverletzbarkeit der nationalen Territorien aller Länder absichern sollte. Aus dieser Idee entstand später tatsächlich der Völkerbund.


Neben all diesen Maßnahmen zur Friedenssicherung enthielt Wilsons Plan auch konkrete Vorgaben für bestimmte Länder, so z. B. die Wiederherstellung Belgiens und Polens, die Aufteilung Österreich-Ungarns und die Rückgabe Elsaß-Lothringens von Deutschland an Frankreich. Manche dieser speziellen Vorgaben widersprachen seinen allgemeinen Grundsätzen zur Friedenssicherung.

Friedensvertrag als Basis für neuen Krieg


Bild: Die Unterzeichnung des Versailler Friedensvertrages.

Im Friedensvertrag von Versailles, den Wilson zusammen mit je einem Vertreter Frankreichs, Englands und Italiens aushandelte, konnte der Amerikaner seinen 14-Punkte-Plan jedoch in vielen Punkten nicht durchsetzen. Italien und Frankreich waren zu sehr auf den Vorteil ihrer Länder bedacht um eine Lösung zu finden, die den Frieden langfristig gesichert hätte.


Stattdessen wurde Deutschland und seine Verbündeten die alleinige Schuld für den Ersten Weltkrieg zugewiesen. Die Folge war, dass Deutschland extrem hohe Entschädigungszahlungen (Reparationen) an seine ehemaligen Gegner leisten musste. Dadurch wurde es wirtschaftlich noch mehr geschwächt und es kam zur Inflation.


Die deutsche Bevölkerung fühlte sich ungerecht behandelt und so bekamen nationalistische Politiker viel Zulauf. Dies war einer der Gründe, die zum Erstarken des Nationalsozialismus und schließlich zum Zweiten Weltkrieg führten.


Der Völkerbund


Wilsons Initiative zur Gründung eines Völkerbundes wurde 1920 umgesetzt. Er selbst konnte jedoch nicht mehr aktiv daran mitwirken, da er 1919 einen Schlaganfall erlitten hatte. Dadurch war er kaum noch in der Lage, seine Amtsgeschäfte auszuführen. Trotzdem blieb er bis 1921 offiziell Präsident der Vereinigten Staaten.


Ziel des Völkerbundes war es, zu vermitteln, wenn Staaten miteinander in Konflikte gerieten. Dadurch sollten Kriege verhindert werden. Leider funktionierte das nicht. Zum einen waren nie alle mächtigen Nationen darin vertreten: die USA hatten sich überhaupt nicht angeschlossen, Deutschland, Russland, Italien und Japan gehörten nur zeitweise dazu. Zum anderen waren jedem Land die eigenen Interessen wichtiger als die der Gesamtheit. Statt sich effektiv für den Frieden einzusetzen, suchte jeder nach seinem eigenen Vorteil.


Link


Das gesamte 14-Punkte-Programm Woodrow Wilsons findet ihr hier.





Text: lm 07.01.08; Fotos: alle PD: W. Wilson: Pach Brothers, New York; Versailler Vertrag: Orpen, William.

Hinweis: Im Archiv wurden alle Bilder und Links entfernt