Das Tagpfauenauge: Wunderschön und gut getarnt

Mit ihren täuschend echten Augen auf den Flügeln können Tagpfauenaugen Fressfeinden vorgaukeln, sie seien ein gefährliches Tier. Quelle: © Arto Hakola, Shutterstock.

 

Das Lebenselixier des Tagpfauenauges sind Brennnesseln. Es ist die einzige Pflanze, von der es sich ernährt, solange es eine Raupe ist. An die Unterseite der Brennnesselblätter heften die weiblichen Falter denn auch gleich ihre Eier an. Durchschnittlich sind es zwischen 50 und 200. Aus den ein Millimeter kleinen Eiern schlüpfen nach drei Wochen winzige Raupen. Sie fressen sich dick und häuten sich viermal ehe sie sich verpuppen.

Von der Raupe zum Schmetterling

Dazu spinnen sie sich eine Unterlage aus weißen Fäden, dann platzt ihre Raupenhaut auf und macht einer grünen Puppenhaut Platz. Diese wird in den nächsten zwei Wochen grau oder braun und platzt dann erneut auf. Zum Vorschein kommt ein noch etwas zerknittertes Tagpfauenauge, das seine Flügel erst noch in der Sonne wärmen muss, bevor er zum ersten Flug aufbrechen kann.

Schon bald wird sich der bunte Schmetterling mit einer Artgenossin paaren, die dann erneut winzige Eier auf die Unterseite der Brennnesselblätter legt. Den Gestaltwandel vom Ei über Raupe und Puppe bis zum Schmetterling nennt man Metamorphose.

Doppelt so viel Nachwuchs

Zwei Generationen pro Jahr entwickeln sich auf diese Weise. Das ist neu, denn noch bis vor wenigen Jahren gab es mit Ausnahme von besonders langen Sommern keine Herbstgeneration. Heute ist die Ausnahme zur Regel geworden, denn durch den Klimawandel dauert die schöne Jahreszeit länger als vor wenigen Jahrzehnten. Schon im März sehen wir Tagpfauenaugen, die aus der Winterruhe erwacht sind und an Frühblühern wie Weidenkätzchen, Veilchen und Seidelbast Nektar saugen und nebenbei diese Pflanzen bestäuben.

Pfauenaugen lieben lila Blüten

Als Schmetterlinge sind die Tagpfauenaugen nämlich nicht mehr so wählerisch was ihre Ernährung betrifft. Sie bevorzugen lilafarbene Blüten, was jedoch nicht an deren Geschmack liegt, sondern an den Augen der Schmetterlinge, die diese Farbe besonders gut sehen können. Die meisten anderen Farben nehmen sie grau wahr. Besonders an lila blühenden Disteln und dem Sommerflieder sitzen sie daher häufig.

Riskant für den hübschen Schmetterling ist jedoch, dass sich auf den lila Blüten manchmal Pollen einer anderen Pflanze ablagern. Bislang gibt es erst eine gentechnisch veränderte Pflanze, die in Deutschland in großem Stil angebaut wird, den Bt-Mais. Er enthält ein Gift, das nicht nur Mais-Schädlinge sondern auch zahlreiche andere Insekten abtötet. Seine Pollen sind deshalb auch für Tagpfauenaugen giftig. Wenn die Maispollen auf Brennnesseln am Feldrand fallen, stirbt ein großer Teil der Schmetterlingsraupen, die sich darauf befinden.

Schutz vor Feinden

Vor Gift können sich Tagpfauenaugen leider nicht schützen. Aber gegen Fressfeinde haben sie einen Trick auf Lager: Wenn Gefahr droht, klappt es seine Flügel auseinander und zeigt die zwei riesigen Augenpaare. Vögel und andere Feinde erschrecken, da sie vermuten, ein großes Tier würde sie ansehen. Ruht sich der Falter aus und klappt die Flügel zusammen, ist er hingegen perfekt getarnt, da er dann aussieht wie ein trockenes Blatt.

Noch mehr zum Thema erfährst Du in WAS IST WAS Band 43 Schmetterlinge. Zauberhaft und farbenprächtig.