Fenster zum Kosmos

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Am 3. Juni 1948 wurde auf dem Mount Palomar in Kalifornien ein 5-Meter Spiegelteleskop in Betrieb genommen. Über mehrere Jahrzehnte hinweg war es das größte Fernrohr der Erde.

Es ist ein alter Menschheitstraum, weit entfernt liegende Dinge sichtbar zu machen. Das betraf zunächst die Seefahrer, aber auch die ersten Wissenschaftler und Sterngucker.

Fernrohre waren längst in Gebrauch, als Galileo Galilei das erste Teleskop benutzte: Mit seinen 42 Millimetern Linsendurchmesser konnte dieses bescheidene Instrument schon beinahe 30mal soviel Licht einfangen wie ein gesundes Menschenauge.

Wilhelm Herschel baute ein Spiegelteleskop mit 1,2 Metern Öffnung, der Ire Lord Rosse sogar eines mit 1,8 Metern Durchmesser. Gegenüber dem »unbewaffneten Auge« war die Lichtsammelkraft nun bereits auf das rund Zehntausendfache angestiegen. Als am 3. Juni 1948 im kalifornischen Institut für Technologie auf dem Mount Palomar nordöstlich von San Diego ein 200-Zoll-Spiegelteleskop in Betrieb genommen wurde, war die Sensation perfekt. Ermöglichte es doch erstmals die Betrachtung von Himmelskörpern, die bis zu einer Milliarde Lichtjahre von der Erde entfernt sind.

Der Mount Palomar liegt etwa 170 Kilometer südöstlich von Los Angeles und ist 50 km vom Pazifischen Ozean entfernt. Er bildet ein 1700m hohes Plateau inmitten einer wunderbaren Gebirgslandschaft. Das Fernrohr ist nach George Ellery Hale benannt, der von 1904 bis 1923 Direktor des Mount-Wilson-Observatoriums war und 1928 den Auftrag zur Errichtung der Mount-Palomar-Sternwarte erhielt. Das Projekt wurde knapp 20 Jahre später vollendet. Am 21. Dezember 1947 fiel »erstes Licht« in jenen Riesenspiegel, der viele Jahre lang den Rekord als größtes Teleskop der Erde hielt. Der Astronom J. Anderson war der erste, der einen Blick durch das neue Teleskop werfen durfte. Auf die Frage, was zu sehen sei, antwortete er gedankenverloren: "Oh, some stars !".

In den ersten Jahren seines Betriebs erstellte man einen photographischen Atlas des gesamten vom Mount Palomar aus sichtbaren Himmels. Das Hale-Teleskop wiegt 480 Tonnen; mit ihm werden keine direkten Beobachtungen angestellt, sondern photographische und photoelektrische Aufzeichnungen der schwächsten, entferntesten Himmelskörper angefertigt. George E. Hale sollte nicht mehr erleben, mit welcher Perfektion der 530 Tonnen schwere Koloss arbeitete. Später wurde der Standort immer stärker von der wachsenden Lichterflut der Westküsten-Metropolen heimgesucht und wurde für effektive astronomische Arbeit immer unbrauchbarer. Die Astronomen hielten nach neuen Beobachtungsplätzen Ausschau, um dort noch mächtigere Fernrohre aufzustellen. Einige entstanden in abgelegenen Gegenden Mittel- und Südamerikas

Die Krönung stellte allerdings das Weltraumteleskop Hubble dar. Von ihm aus erhalten Astronomen oberhalb der verschmutzten und unruhigen Lufthülle viel schärfere Bilder als von noch so günstig gelegenen Sternwarten. Selbst ein George E. Hale hätte sich nicht annähernd eine Vorstellung von Hubbles Leistung machen können.

Wahrscheinlich wird es in einigen Jahrzehnten ein Observatorium auf dem Mond geben, der bekanntlich keine Lufthülle besitzt. Junge Wissenschaftler werden von dort aus ebenso ihre Beobachtungen durchführen wie heute auf den großen Observatorien dieser Welt.

Text: Roland Rosenbauer, 2. 6. 2003, Bild: PhotoDisc

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