Ein neuer Ozean auf dem afrikanischen Kontinent

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Ein neuer Ozean auf dem afrikanischen Kontinent

Die Zeiten, in denen Seefahrer die Sieben Weltmeere umsegelten, könnten bald vorbei sein. Denn in Afrika brodelt die Erde. Hier wird ein neuer Ozean entstehen Doch wie kommt das Meer dorthin und wie lange dauert es noch?

Der ostafrikanische Graben (gestichelt) in Afrika (links) und das Afar-Dreieck (orange) beherbergen viele Vulkane (rote Dreiecke).

Der Ostafrikanische Graben


Im Osten des afrikanischen Kontinents hat die Erdkruste tiefe Narben. Diese sind vor zirka 20 Millionen Jahren entstanden, als die Vulkane in diesem Gebiet besonders aktiv waren. Der bis zum 300 Kilometer breite Riss im Erdboden bildet den Ostafrikanischen Graben.


Entlang des Grabens liegen auch heute noch viele, zum Teil aktive Vulkane, wie der Erta Ale in Äthiopien. Außerdem findet man hier die tiefsten Seen der Erde, weil so große Spalten in die Erdkruste gerissen worden sind, die dann mit Wasser aufgefüllt wurden.


Das Afar-Dreieck


Eine ganz besondere Stelle im Ostafrikanischen Graben ist das so genannte Afar-Dreieck. Es handelt sich dabei um eine dreieckige Senke in den Ländern Äthiopien, Dschibuti und Eritrea. Die Tiefebene ist ungefähr 150.000 Quadratkilometer groß, was etwa der halben Fläche der Bundesrepublik Deutschland entspricht.


Im Afar-Dreieck führt die tektonische Aktivität zur Bildung solcher Gräben.



Das Afar-Dreieck liegt zwischen dem Roten Meer, dem Somali-Hochland und dem Hochland von Äthiopien. Das Besondere ist, das hier zwei Grabenbrüche aus dem Norden und Osten auf den Ostafrikanischen Graben treffen. Man findet hier besonders hohe vulkanische Aktivität.


Was ist ein Grabenbruch?


Die Erdkruste ist aus einzelnen Platten aufgebaut. Diese driften auf dem flüssigen Erdmantel hin und her. An manchen Stellen prallen Platten zusammen. Bei Grabenbrüchen streben zwei oder auch drei Platten auseinander.


So entstehen gewaltige Gräben in der Erdkruste. Das Magma strömt von unten aus dem Erdinneren nach, kühlt ab und bildet neue Erdkruste, und verschließt so das entstehende Loch über dem Erdmantel.


Der Erta Ale in Äthiopien war lange nicht aktiv. Jetzt spuckt auch er wieder Lava.

Vulkanische Aktivität


Seit einigen Jahren beobachtet man, dass im Gebiet des Afar-Dreiecks sich die vulkanische und tektonische Aktivität stark gesteigert hat. 2005 riss der Wüstenboden auf einer Länge von 60 Kilometern auf und Magma quoll aus dem Erdinneren. Die Menge an flüssigem Gestein würde ausreichen, um ganz London zu bedecken.


An vielen weiteren Stellen entdeckten die Geologen unterirdische Vulkanausbrüche. Normalerweise beobachtet man solche Vorkommnisse nur unter Wasser, wie am Mittelozeanischen Rücken im Atlantik. Doch nun passiert das Ganze auch an der Erdoberfläche, eine Sensation für die Geologen.


Ein neuer Ozean?


Die Afar-Senke liegt in direkter Nachbarschaft zum Roten Meer und wird nur durch einige Hügel davon getrennt. Die Senke selbst liegt zum Teil bis zu 125 Meter unter dem Meeresspiegel. Die Geologen sagen voraus, das eines Tages das Afar-Dreieck von Meerwasser aus dem Roten Meer aufgefüllt werden wird.


So könnte der Ozean entstehen: Die Erdkruste driftet auseinander (1), Magma füllt das Loch (2) und Wasser dringt in die Rinne ein(3).



Dann würde ein neuer Ozean entstehen. Doch wann es soweit sein wird, kann niemand vorhersagen. Vielleicht dauert es noch zehn Millionen Jahre, vielleicht geht es auch schneller. Die Aktivität in dem Gebiet hat sich so rasant beschleunigt, dass sich kaum einer zu einer Prognose hinreißen lassen will.


Früher maß man eine Dehnung von einigen Millimetern im Erdboden. Heute entstehen in der ostafrikanischen Wüste Risse von mehreren Metern. Wie lange die Hügel die Wassermassen noch aufhalten ist unklar. Doch die Geologen prophezeien für die kommenden Jahre noch weitere und schwere Vulkanausbrüche und Erdbeben.




24.02.2011 // Text: Jan Wrede; Bilder: Schema: Hannes Grobe (cc-by-sa 2.5), Karte: United States Geological Survey (pd), Graben: NASA (pd), Erta Ale: Ralf Cosar (GNU 1.2, cc-by-sa 3.0), Vorschau: Andrew J. Swann (GNU 1.2, cc-by-sa 3.0)

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