Störche werden flügge

Berühmte Personen

Störche werden flügge

In vielen Regionen Deutschlands leben wieder Weißstörche. Einige von ihnen kann man per Live-Cam sogar im Internet beobachten. Im Juli werden die Jungstörche flügge. Höchste Zeit, denn Ende August beginnt bereits der weite Flug Richtung Süden in die Winterquartiere. 2004/05 fand sogar eine weltweite Zählung der Weißstörche statt. Die Ergebnisse sind positiv, auch wenn das Jahr 2012 aufgrund des trockenen Frühjahrs und der damit verbundenen Nahrungsknappheit nicht zu den glücklichsten Storchenjahren gehört.


Das bei Störchen beliebteste Bundesland in Deutschland ist Brandenburg. 1.400 Brutpaare gibt es hier durchschnittlich im Jahr. In Wensickendorf (Oberhavel) sitzen zum Beispiel derzeit vier Jungstörche im Nest, die bereits fleißig Flugübungen machen. "Storchenvater" Roland Heigel hat eine Kamera installiert, die ihm ständig neue Bilder auf seinen PC liefert. Du kannst hier aktuell mitschauen.

Wer die Störche Rolf und Maria mit ihren Jugen auf dem Hof Grundmann in Hamburg-Curslack beobachten will - hier geht es zur Live-Cam des Naturschutzbundes (NABU). 

  

Sympathischer Rotschnabel

 

Der Weißstorch (siehe Foto) gehört zur Ordnung der Schreitvögel und hat ein weiß-schwarzes Gefieder sowie rote Beine. Er wird etwa einen Meter groß, hat eine Flügelspannweite von bis zu zwei Meter und wiegt zwischen 2,6 und 4,4 Kilogramm. Sein Schnabel ist 20 Zentimeter lang und spitz.

Die Schnäbel der Jungstörche sind anfangs schwarz. Auch die gelblichen Beine färben sich erst im Lauf des ersten Lebensjahres richtig rot.

Als Zugvögel kehren Störche zwischen Ende März und Ende April aus ihren Winterquartieren nach Deutschland zurück. Nun müssen sie sich zunächst auf Partnersuche begeben, denn sie bleiben sich immer nur eine Saison lang treu.

Oft steuern Störche jedoch das Nest an, in dem sie im Vorjahr erfolgreich gebrütet haben. Insofern kommt es auch vor, dass sie dort wieder auf ihre bekannte Frau Störchin treffen. Selbstverständlich ist das jedoch keineswegs, denn die lange Reise überleben nicht alle Tiere unbeschadet. Die erste Aufgabe des Paares ist dann der Nestbau.

Wunderwerk Storchennest

 

Sicher hast du auch schon Storchennester hoch oben auf Fabrikschloten, Kirchtürmen oder Masten gesehen. Die Störche sind wahre Meister im Nestbau. Sie schaffen es, bis zu 300 Kilogramm Holz in 50 bis 75 Metern Höhe so zusammenzufügen, dass das Ganze nicht runterfällt. Immerhin bläst ein tüchtiger Wind in diesen Höhen.

Vom Ei zum Küken

Trotzdem ist das Nest so stabil, dass es ein kuscheliger Unterschlupf für den frisch aus dem Ei geschlüpften Nachwuchs ist. Im Schnitt legt Mutter Storch drei bis vier Eier. Bis zum Schlüpfen vergehen 32 bis 33 Tage. In Deutschland zieht ein Paar nur selten mehr als ein bis zwei Jungstörche groß, weil nicht genug Nahrung vorhanden ist.

Manche Eier gehen bereits kaputt, bevor ein Vögelchen schlüpfen kann. Schwächere Jungtiere werden von den Eltern sogar aus dem Nest geworfen, wenn klar wird, dass die Nahrung nicht für alle reicht. Der Grund dafür: In unseren intensiv genutzten Feld- und Wiesenflächen ist es zu trocken für Frösche, die Lieblingsspeise der Glücksbringer.

Vom Küken zum Jungvogel

 

Foto: Storch füttert seine Jungtiere.

Nur rund 80 Gramm wiegen die Kleinen, wenn sie aus ihren Eiern schlüpfen. Innerhalb weniger Wochen werden sie von ihren Eltern dauernd gefüttert und erreichen dadurch ein Gewicht, das sogar leicht über dem der Altvögel liegt. Nach zwei Monaten im Nest sind die Jungen größenmäßig kaum noch von den Eltern zu unterscheiden, nur am schwarz-braunen Schnabel sind sie noch zu unterscheiden.

Erste Ausflüge

 

Foto: Jungstörche flattern im Nest kurz vor dem Flüggewerden.



Nun beginnt eine besonders spannende Phase: sie lernen fliegen. Zunächst hopsen die Störche im Nest, erheben sich dann ein paar Meter darüber und lassen sich wieder hinab sinken.

Bald schon machen sie ihre ersten Rundflüge, die besonders riskant sind, weil sie oft ihren Landeplatz verpassen oder es mitten in einer Ortschaft nicht mehr schaffen, erneut zu starten. Sie prallen gegen Hindernisse oder setzen sich auf Stromleitungen, an denen sie sich lebensgefährlich verletzen können.

Gefahren für Meister Adebar

Nicht nur hier bei uns droht dem Storch Gefahr. Auf seinem Weg ins Winterquartier wird er selbst gejagt, wenn er Rast macht, um nach Nahrung zu suchen. Für die in Afrika überwinternden Störche stellt die Trockenheit im Sahelgürtel ein großes Problem dar - es steht zu wenig Nahrung für die Zugvögel zur Verfügung.

Viele Störche reisen heute aber nicht mehr ganz so weit, sondern lassen sich etwa in spanischen Müllkippen nieder, wo sie reichlich Essbares finden. Doch auch im Schlaraffenland lauern Gefahren: In Schnüren und Gummibändern verheddern sie ihre Beine, an Kunststoffen können sie ersticken oder sich vergiften.

"Volkszählung" unter Störchen

Doch allen Risiken zum Trotz steigt die Zahl der Weißstörche weltweit und das nach Jahrzehnten, in denen es stetig bergab ging. In den Jahren 2004 und 2005 zählten Vogelschutzorganisationen weltweit die beliebten Glücksbringer.

Auf 230.000 Paare kam man in diesem Zeitraum. Innerhalb von zehn Jahren hatte der Bestand um 39 Prozent zugenommen, denn 1994/95 gab es nur rund 166.000 Paare. Noch schlechter hatte es bis zur Mitte der 1980er Jahre ausgesehen.

Doch seither erholen sich die Bestände, besonders in Osteuropa, stark. Polen gilt als das Land der Störche. Dort lebt mit über 52.000 Paaren etwa ein Viertel aller Exemplare dieser Tierart. In Deutschland sind die Vögel in fast allen Bundesländern heimisch.

In der Schweiz mussten sie mit menschlicher Hilfe wieder angesiedelt werden, nachdem sie 1950 dort nicht mehr zu sehen waren. Heute gibt es glücklicherweise wieder über 200 Paare. In Österreich leben Störche hauptsächlich entlang der Donau im Marchfeld und im Burgenland. Rund 400 Paare sind hier heimisch.

Mehr über den Vogelzug der Störche und ihre verschiedenen Winterquartiere lest ihr in unserem Artikel Störche: Jetzt kommen sie aus Afrika zurück, den ihr am Ende dieser Seite verlinkt findet.

Storchen-Links

Bauanleitung für eine Storchen-Nisthilfe.

Wo wie viele Störche leben, könnt ihr hier nachlesen.

Wer noch mehr über Meister Adebar erfahren will: hier hat der NABU einige Filme zum Thema Störche zusammengestellt.  

Mehr über verschiedenste Vogelarten und ihre Lebensräume erfahrt ihr im WAS IST WAS Band 40 "Vögel".

Text: Liane Manseicher, 21.07.08 / akt. Nic 25.7.2012; Fotos: Nürnberger Storch: Pressemitteilung aus dem Nürnberger Rathaus; Storch füttert Jungvögel und Jungstörche vor dem Flüggewerden: Manfred Heyde: cc-by-sa; Fliegender Jungstorch: Goldi64: GFDL; Weißstorch mit Ring: André Karwath aka: cc-by-sa.

Hinweis: Im Archiv wurden alle Bilder und Links entfernt