Der Eisvogel ist Vogel des Jahres 2009

Wie ein fliegender Edelstein sieht er aus, der Vogel des Jahres 2009. Eisvogel nennt man ihn und woher dieser Name kommt ist bis heute nicht sicher geklärt. Er ist ein anspruchsvoller Vogel, der fischreiche und naturnahe Flussläufe mit Steilwänden an den Ufern benötigt. Weil solche Lebensräume immer seltener werden ist er nun schon zum zweiten Mal Vogel des Jahres geworden.

Foto: Solange er auf einem Zweig sitzt, wirkt der Eisvogel eher pummelig, doch sein herrlich schimmerndes Gefieder ist eindrucksvoll.

Jedes Jahre wählen der Naturschutzbund Deutschland (NABU) und der Landesbund für Vogelschutz aus Bayern eine Vogelart zum Vogel des Jahres. Sie machen damit aufmerksam auf bedrohte Arten oder auf solche, deren Lebensbedingungen sich drastisch verschlechtert haben.

Gleichzeitig öffnen sie uns die Augen für die Wunder der Vogelwelt, zu denen der Eisvogel zweifellos gehört und rufen uns damit auf, diese Arten und ihr Umfeld zu schützen.


Kleiner Vogel mit großartiger Farbenpracht


Der nur spatzengroße Vogel glänzt mit einem stahlblau schimmernden Federkleid am Rücken und rostrotem Bauchgefieder. Fliegender Edelstein wird er aufgrund seines prachtvollen Äußeren auch genannt. Ob sein Name vom althochdeutschen eisan kommt, das schillern, glänzen bedeutet oder ob er ihn wegen der Eisen- beziehungsweise Stahlfarben seiner Federn erhielt, ist unklar.


1973 wurde der Eisvogel schon einmal zum Vogel des Jahres gekürt. Damals war sein Bestand sehr gering, da sein Lebensraum immer mehr zurückging. Flüsse wurden kanalisiert und das Wasser immer schmutziger. Im strengen Winter 1962/63 starb er dann sogar beinahe aus. Heute gibt es zum Glück dank Verbesserungen der Wasserqualität wieder zwischen 5600 und 8000 Brutpaare in Deutschland.



Pfeilschnell statt pummelig


Foto: Sobald der Eisvogel losfliegt ist von seinem pummeligen Erscheinungsbild im Sitzen nichts mehr zu sehen. Elegant und zielsicher stürzt er sich ins Wasser.

Doch ist der Eisvogel nirgends häufig. Denn vielerorts werden Bach- und Flussläufe begradigt und mit Stein und Beton zugemauert. Der Eisvogel benötigt aber saubere, langsam fließende oder stehende Gewässer mit Steilwänden, in die er seine Bruthöhlen graben kann.

Kleine Fische und Insekten sind seine Nahrung. Fische kann er nur dort erbeuten, wo das Wasser klar und nicht durch überschüssige Nährstoffe aus Düngemitteln und Algen eingetrübt ist. Sonst sieht er sie nämlich nicht, wenn er von seinen Ansitzen aus auf sie lauert.


Apropos Ansitz dort wo Bäume und Sträucher am Ufer fehlen, kann der kleine Jäger auch keine Beute machen. Normalerweise stürzt er sich nämlich pfeilschnell ins Wasser, nachdem er zunächst längere Zeit aus der Höhe ins Wasser hinunter gespäht hat. Bis zu 60 Zentimeter tief taucht er und erwischt in klarem Wasser nahezu jeden Fisch, den er sich ausersehen hat.



Eisvögel als natürliches Signal


Ein naturnahes Umfeld ist für den Eisvogel demnach lebensnotwendig. Dort, wo zubetonierte und begradigte Flüsse wieder in ihren natürlichen Zustand zurückversetzt (renaturiert) werden, profitieren davon auch viele andere Tier- und Pflanzenarten. Ist ein Eisvogel regelmäßig an einem Gewässer anzutreffen ist dies ein Zeichen dafür, dass es der Natur hier gut geht.



König im Revier


Mehrere Eisvögel wird man übrigens selten zusammen sehen, denn der Kingfisher so sein englischer Name verteidigt sein Reich auch gegen Artgenossen wie ein König. Er braucht ein Revier von einem Kilometer Umkreis um sein Nest. Wesentlich mehr Platz zur Nahrunssuche benötigt er, wenn seine Umgebung durch Bebauung beeinträchtigt ist.


Viele kleine Eisvögelchen


Die einzige Zeit im Jahr, in der man den Eisvogel zu zweit antreffen kann ist ab März, wenn Paarung und Brutsaison anstehen. Das Männchen wirbt um das Weibchen mit Fischen. Sie legt sechs bis sieben, manchmal auch neun Eier in eine selbst gegrabene Bruthöhle. Nach 21 Tagen Brut schlüpfen die Jungtiere aus, die noch vier Wochen von ihren Eltern gefüttert werden müssen, bis sie flügge werden. Eisvögel brüten zwei- bis dreimal pro Sommer. Manchmal füttert das Männchen noch die unreifen Jungtiere, während das Weibchen bereits die nächsten Eier brütet.


Ein ganz schön anstrengendes Geschäft, doch notwendig, denn ein großer Teil der Jungtiere überlebt den ersten Sommer nicht. Auch von den Ewachsenen kommen nur knapp ein Drittel über den Winter. Die meisten harren in der kalten Jahreszeit nämlich bei uns aus und entscheiden sich wenn ein Kälteeinbruch droht erst zu spät zum Abflug Richtung Süden. Zur Arterhaltung ist deshalb viel Nachwuchs nötig.


Schützt den Vogel des Jahres 2009!


Überschwemmungen, die Bruthöhlen unter Wasser setzen, gefährden den Bruterfolg genauso wie Menschen, die sich in der Nähe der Gelege aufhalten. Der Eisvogel ist daher auf unseren besonderen Schutz angewiesen. Wie man Brutwände für ihn schützen und erhalten kann und wie ihr euch sonst noch für den Vogel des Jahres einsetzen könnt, lest ihr bei NABU. Hier gibt es auch ein Eisvogelspiel und ihr könnt die Stimme des kleinen Naturwunders hören, denn nur an ihr ist der trotz seiner Farbenpracht gut getarnte Vogel meist zu erkennen.

Mehr über Vögel, ihren Körperbau, ihre Sinne und das Vogeljahr erfahrt ihr im WAS IST WAS Band 40 Vögel.

Text: Liane Manseicher, Fotos: NABU: Manfred Depho.

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