Wie Kapstadt zur Mutterstadt Südafrikas wurde

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Wie Kapstadt zur Mutterstadt Südafrikas wurde

Kapstadt ist die schönste aller Städte Afrikas, sagen die einen. Kapstadt ist ein Ort der Gewalt und Unterdrückung, sagen die anderen. Warum diese so gegensätzlichen Meinungen? Eine Antwort finden wir in Kapstadts Geschichte.

Der Handel mit Pfeffer


Pfeffer man mag es kaum glauben ja, Pfeffer war der Grund, warum die Seemänner im 17. Jahrhundert eine Fahrt auf sich nahmen, die bis zu sechs lange Monate dauerte. Denn Pfeffer war damals eine wertvolle Handelsware, so wertvoll wie heute beispielsweise Öl.

Teil einer Weltkarte aus dem Jahr 1662 - die rote Linie markiert den direkten Weg nach Indien, die blaue den Umweg entlang der Küste Afrikas

Die Fahrt führte von Europa vorbei an den Kanarischen Inseln, durch den Golf von Guinea, über die Südspitze Afrikas und entlang der Straße von Mosambik bis nach Indien. Ja, natürlich ist der direkte Weg kürzer. Aber der kürzere Landweg war von den Türken versperrt. Sie hatten 1453 die Handelsroute blockiert, nachdem sie die Herrschaft über Konstantinopel, das heutige Istanbul, erlangten. 

Skorbut - die gefürchtete Seefahrer-Krankheit

Auf der langen Fahrt aßen die Seemänner häufig nichts anderes als Pökelfleisch und Schiffszwieback. Diese einseitige Ernährung und der Mangel an frischem Obst und Gemüse führte zu Skorbut. Skorbut war damals die häufigste Todesursache unter Seeleuten. Während einer Fahrt starb manchmal mehr als die Hälfte der Schiffsbesatzung an dieser Krankheit.

Kapstadt - ein Stützpunkt der Seefahrer


Wie könnte man die Zahl der Skorbut-Kranken verringern? Man brauchte einen Stützpunkt, an dem das Schiff frische Nahrungsmittel aufnehmen konnte. Dieser Stützpunkt sollte Kapstadt werden, denn Kapstadt lag genau auf halbem Wege zwischen Europa und Indien.

Die Gründung Kapstadts durch Jan van Riebeeck


Portrait Jan van Riebeecks

Am 6. April 1652 besiedelte der Holländer Jan van Riebeek zusammen mit seiner Schiffsbesatzung das Kap der guten Hoffnung. Doch die Siedlung diente zunächst nicht als Ausgangspunkt für weitere Entdeckungsreisen ins Landesinnere. Nein, strenggenommen war Kapstadt keine Stadt, sondern eine Festung und Versorgungsstation für Gewürzschiffe.

Jan van Riebeeck pflegte deshalb keinen Kontakte zu den Ureinwohnern Südafrikas. Er lernte nie die Sprache der Eingeborenen, lies sich eine hohe Bittermandelhecken pflanzen, um sie sich vom Leibe zu halten, und bezeichnete die Eingeborenen, so wörtlich, als dumme, schwarze, stinkende Hunde.

Jan van Riebeeck trifft auf die Ureinwohner Südafrikas 


Die unsichtbaren Grenzen in Kapstadt

Ist Riebeecks Abgrenzung von den Ureinwohnern Südafrikas eine der Ursachen für die Diskriminierung (Herabsetzung) von Farbigen im modernen Kapstadt? Diese Theorie mag abwegig klingen, einige Historiker halten sie jedoch für wahrscheinlich. Bis heute leben die Nachfahren der Ureinwohner und der europäischen Siedler in getrennten Stadtvierteln.


Anfang und Ende der Apartheid


"White persons only", "Nur für Weiße" - Die Diskriminierung Schwarzer gehörte lange Zeit zum Alltag der Südafrikaner

Den Höhepunkt der Diskriminierung wurde im Jahre 1949 erreicht, als die so genannten Apartheid-Gesetze in Kraft traten. In Afrikaans heißt Apartheid so viel wie Aussonderung und tatsächlich: die Gesetze führten zur einer Aussonderung der schwarzen Südafrikaner, indem ihnen viele grundlegenden Menschenrechte entzogen wurden.

Erst 1994 setzt eine deutliche Wende ein: Bei den ersten demokratischen Wahlen Südafrikas wird Nelson Mandela, ein schwarzer Südafrikaner, Staatspräsident. Zuvor hatte man den Menschenrechtler fast drei Jahrzehnte gefangen gehalten.

Nelson Mandela ist der amtierende Staatspräsident Südafrikas

Dank Mandela ist Südafrika heute auf einem guten Weg: Vielleicht wird man von Rassentrennung bald nur noch in Geschichtsbüchern lesen. 

Text: Ronny Waburek // Fotos: Kapstadt: ; Weltkarte von 1662: PD; Portrait Riebbeecks: PD; Gründung Kapstadts: PD; Schild: PD; Nelson Mandela: PD

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