Warum sind griechische Statuen nackt?

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Warum sind griechische Statuen nackt?

Die dritte Vorlesung der Kinderuni 2003 hielt Professor Dr. Bettina von Freytag, Archäologin und Leiterin des Museums Hohentübingen. Mit vielen Bildbeispielen erklärte sie ihr Thema und die über 600 Kinder waren mit Begeisterung dabei.

Die Einleitung

Wie echte Uni-Profis begrüßten die Kinder die Archäologin - sie trommelten auf die Tische. Denn, so haben sie in den bisherigen Vorlesungen schon gelernt: in der Uni wird nicht geklatscht, sondern getrommelt. Dann zeigte Bettina von Freytag noch ihre Hände, um zu beweisen ob sie als Archäologin auch Schwielen hat, "vom Buddeln". "Aber", so erklärte sie "Archäologen buddeln nicht, sie graben. Das kann sehr anstrengend sein, mit Schaufel und Pickel. Aber man muss auch sehr vorsichtig bei Ausgrabungen vorgehen und da kommen dann auch Pinsel und Pinzetten zum Einsatz." Unter ihren Funden war auch die Skulptur eines griechischen Jünglings, den sie entdeckt hat und so kam ihr das Thema der Vorlesung gerade recht:

Warum sind griechische Statuen nackt?"

Sind sie das alle? Nein, es gibt durchaus auch bekleidete Statuen, wie die Professorin mit Dias bewies, die an die Wand geworfen wurden. So zeigte sie Sokrates oder Demostenes, die beide ein Gewand anhaben, gewickelt aus einem Stück Stoff. Also: Nicht alle Statuen waren nackt. Aber einige eben doch, aber welche und warum?

Dann kamen Dias von Schildern, die wir alle kennen: zum Beispiel das Zeichen für Herren- oder Frauentoilette oder ein Notausgangschild. Die Kinder erkannten sofort, was auf den Fotos zu sehen war. Bettina von Freytag erklärte, dass man mit ganz einfach Strichen zeigen kann, ob es sich um einen Mann oder eine Frau handelt, und zeichnet man - wie bei einem Notausgangsschild das Männchen von der Seite und mit gebeugtem Knie, dann wissen wir: Das Männchen rennt. Nun verglich sie diese Bilder mit Abbildungen von antiken griechischen Vasen und siehe da: Auch auf den Vasen werden die Menschen ähnlich dargestellt. Sind sie in Bewegung, werden sie von der Seite gezeichnet, mit gebeugten Knieen. Die Frauen - das bringt so manchen zum Kichern - werden durch angedeutete Brüste dargestellt.

Götter und Heroen

Als nächstes wurden nackte Skulpturen an die Wand projeziert: Da ist zum Beispiel Zeus, der Gott mit dem Blitz in der Hand. Oder auch Apoll, der schöne und jugendliche Gott. Aha, Götter wurden also nackt dargestellt, damit wurden sie zum einen von den alltäglichen Menschen unterschieden, zum anderen stellten Götter auch ein Ideal dar, das man nicht verhüllen wollte. Ähnlich war es auch mit den Heroen. "Was sind denn antike Helden oder Heroen?" wollte die Professorin wissen und zack gingen viele Finger nach oben und Kinder riefen wild Namen nach vorne: "Theseus", meint ein Junge, "Heracles" ein Mädchen von ganz hinten - Frau von Freytag ist begeistert. "Diese Kinder kennen sich aus!"

Statuen auf Gräbern, Krieger und Sportler

Aber auch Figuren, die auf Gräbern oder in Tempeln standen wurden nackt dargestellt. Sie sollten den idelaen Körper, den schönen Menschen darstellen. Beispiele von Männerstatuen, die außer einem Helm und einem Schild nichts tragen, warfen die Frage auf: "Sind das Krieger?" Die Kids überlegen... "Nein, das sind Sportler, denn wer würde unbekleidet in eine Schlacht ziehen?" Auch Sportler wurden also nackt dargestellt, denn auch sie offenbarten einen durchtrainierten, schönen Körper.

Bei den Dias der Sportler fiel zum Beispiel auf, dass die Läufer nicht vom Boden starteten, sondern im Stehen und dass damals schon Hockey gespielt wurde.

Was bedeutet eigentlich Gymnasium?

Mit dieser Frage brachte Frau von Freytag die Kinder zum Grübeln - und mit der Antwort zum Lachen: "Das griechische Wort "gymnos" bedeutet eigentlich "nackt", das Gymnasium war also in der Antike der Ort, an dem junge, nackte Griechen trainiert haben!" Wer hätte das gewusst?

Der antike Turnbeutel

Trainiert haben die Knaben und Männer - und zwar nur Knaben und Männer, deshalb gibt es auch keine Darstellungen von weiblichen Sportlerinnen - im Freien. Sie rieben sich mit Öl ein, schließlich wollte man auch damals keinen Sonnenbrand bekommen. Dann übte man sich zum Beispiel im Ringkampf am Boden. Mit eingeöltem Körper wurde man dabei ganz schön staubig. Da es damals noch keine Seife gab, erfanden die Griechen ein Instrument, mit dem die Öl-Staubschicht abgeschabt werden konnte: einen sichelförmigen Schaber. Und zum Schluss kam dann noch ein Schwamm zum Abwaschen zum Einsatz.

Unter einem schwarzen Tuch hatte die Professorin noch etwas ganz Besonderes dabei. Ein Mitarbeiter des Museums hatte extra für die Vorlesung sozusagen die Utensilien eines antiken Turnbeutels nachgebaut. Als sie das Tuch hob, sahen die Kinder den Schaber, das Behältnis für das Öl und den Schwamm.

Asterix und die Griechen

Am Ende ihres Vortrages konnten die Kinder nochmal beweisen, was sie alles erfahren hatten, in dieser Vorlesung. Denn die Professorin zeigte Zeichnungen aus einem Asterixheft und da konnte man so manche Ungereimtheit erkennen. Da steht Asterix beim Start eines Laufes doch tatsächlich beim Tiefstart - dabei wissen alle Kinder jetzt, die sind im Stehen gestartet! Und die Griechen sind in Rüstung - das stimmt doch auch nicht!

Zum Schluss gab es noch das Dia einer Skulptur aus Tübingen und die begeisterten Kids werden sich die Figur nun sicherlich etwas genauer anschauen, wenn sie an ihr vorbeikommen.

Laut trommelnd bedankten sich die Zuhörer bei Bettina von Freytag. Viele gingen noch zu ihr, schauten sich den "Turnbeutel" aus der Nähe an, holten sich ein Autogramm und freuen sich schon auf die nächsten Vorlesungen, jeweils Dienstag, um 17 Uhr c.t.!

-ab- 19.03.03 Text und Fotos.

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